Ein stabiler Materialfluss entscheidet im Presswerk über Takt, Qualität und Termintreue. Zwischen Wareneingang, Umformpresse, Zwischenlagerung und Weiterverarbeitung bewegen sich täglich zahlreiche Gitterboxen mit produzierten Teilen. Jeder manuelle Transport bindet Personal, erzeugt Wartezeiten und birgt das Risiko von Verwechslungen oder Beschädigungen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Transparenz und Rückverfolgbarkeit.
Bei FIUKA unterstützt ein Fahrerloses Transportsystem das Presswerk und übernimmt definierte Transportaufgaben selbstständig. Das System erhält automatisch einen Abholauftrag, fährt zur bereitgestellten Gitterbox und bringt sie an den vorgesehenen Zielort zur Weiterverarbeitung. Damit wird der innerbetriebliche Transport planbar, reproduzierbar und nachvollziehbar. Der folgende Beitrag zeigt, wie ein solches System in die Prozesskette eingebunden wird, welche technischen und organisatorischen Voraussetzungen notwendig sind und welche Angaben für eine fundierte Projektanfrage entscheidend sind.
Materialfluss im Presswerk ist Teil der Prozesskette
Im Presswerk entstehen durch Stanzen, Biegen oder Ziehen Bauteile in hoher Stückzahl. Die Taktzeit der Presse ist klar definiert. Jede Unterbrechung durch fehlendes Material oder nicht abgeholte Teile wirkt sich unmittelbar auf die Ausbringung aus.
Der Materialfluss umfasst dabei mehrere Schritte. Rohmaterial wird an die Presse bereitgestellt. Fertigteile werden in Gitterboxen abgelegt. Diese Boxen müssen zeitnah abgeholt und zur nächsten Station transportiert werden. Das Fahrerlose Transportsystem bringt die Gitterbox zu einem vorhergesehen Stellplatz.
Traditionell erfolgt dieser Transport mit Flurförderzeugen und manuellem Fahrauftrag. Das bedeutet Abstimmung zwischen Produktion und Logistik, Wegzeiten für das Personal sowie die Notwendigkeit, freie Kapazitäten vorzuhalten. In Spitzenzeiten entstehen Engpässe. In ruhigeren Phasen sind Ressourcen gebunden.
Ein Fahrerloses Transportsystem greift genau an dieser Schnittstelle an. Es übernimmt definierte Transporte standardisiert und nach klaren Regeln. Damit wird der Materialfluss als eigener Prozessbaustein betrachtet und nicht als Nebenaufgabe der Mitarbeitenden.
Automatischer Abholauftrag als Taktgeber
Zentral für einen stabilen Ablauf ist die Art und Weise, wie das Fahrerlose Transportsystem seine Aufträge erhält. Im Presswerk bei FIUKA wird das FTS automatisch mit einem Abholauftrag versorgt. Grundlage sind definierte Prozesssignale aus der Fertigung, genauer dem Presswerk.
Sobald eine Gitterbox eine bestimmte Füllmenge erreicht oder ein Auftrag abgeschlossen ist, wird ein Transportbedarf gemeldet. Das FTS erhält diese Information und plant die Fahrt. Es bewegt sich selbstständig zur Quelle, nimmt die Box auf und transportiert sie an den vorgesehenen Zielort.
Wichtig ist dabei die klare Definition von Start und Zielpunkten. Jeder Stellplatz ist eindeutig gekennzeichnet. Jede Box ist einem Auftrag oder Bauteil zugeordnet. Nur so kann das System sicherstellen, dass die richtigen Teile am richtigen Ort ankommen.
Für die Praxis bedeutet das: Automatisierung im Materialfluss setzt strukturierte Prozesse voraus. Unklare Ablageorte oder flexible Zwischenlösungen erschweren die Einbindung eines Fahrerlosen Transportsystem, kurz FTS erheblich.
Standardisierte Transporte erhöhen die Prozesssicherheit
Ein Fahrerloses Transportsystem führt Transporte stets nach denselben Parametern aus. Geschwindigkeit, Fahrweg und Übergabeposition sind definiert. Das reduziert Streuungen im Ablauf.
Im Presswerk sind die Wege zwischen Presse, Pufferbereich und Weiterverarbeitung regelmäßig wiederkehrend. Gerade solche standardisierten Transporte eignen sich für die Automatisierung. Das Personal wird von Routinetätigkeiten entlastet und kann sich auf Aufgaben konzentrieren, die Fachwissen und Entscheidungskompetenz erfordern.
Gleichzeitig erhöht sich die Transparenz. Jeder Transportauftrag ist digital dokumentiert. Es ist nachvollziehbar, wann eine Box abgeholt wurde und wann sie am Ziel angekommen ist. Das unterstützt die Rückverfolgbarkeit innerhalb der Fertigung.
Für Bauteile aus der Kaltumformung ist diese Transparenz relevant. Werden Teile in mehreren Stufen gefertigt oder anschließend gefügt, muss klar sein, welche Charge sich in welcher Box befindet. Ein strukturiertes Transportsystem reduziert das Risiko von Vermischungen.
Entlastung der Logistik als strategischer Faktor
In vielen Fertigungen ist qualifiziertes Personal ein begrenzender Faktor. Gerade im innerbetrieblichen Transport binden wiederkehrende Fahrten Kapazitäten, die an anderer Stelle fehlen.
Durch den Einsatz eines Fahrerlosen Transportsystems werden Mitarbeitende von planbaren Transportaufgaben entlastet. Sie übernehmen stattdessen koordinierende Tätigkeiten, Sondertransporte oder Aufgaben mit höherer Komplexität.
Diese Entlastung wirkt sich nicht nur auf die Effizienz aus, sondern auch auf die Prozessstabilität. Krankheitsbedingte Ausfälle oder Auftragsspitzen lassen sich besser abfangen, wenn ein Teil der Transporte automatisiert erfolgt.
Für Unternehmen aus Automotive und Mobilität, Landmaschinentechnik oder im Umfeld von Unterkonstruktionen für Photovoltaik bedeutet das: Ein stabiler Materialfluss unterstützt die Einhaltung enger Liefertermine und reduziert interne Reibungsverluste.
Vernetzung mit bestehenden Systemen als nächster Schritt
Ein Fahrerloses Transportsystem entfaltet sein volles Potenzial, wenn es in bestehende digitale Strukturen eingebunden ist. Perspektivisch ist bei FIUKA vorgesehen, das Fahrerlose Transportsystem mit dem GiBo System zu verbinden.
Ziel ist es, den Materialfluss noch stärker zu automatisieren und Prozesse direkt miteinander zu verknüpfen. Wenn das System nicht nur einen Transportauftrag erhält, sondern zusätzlich weiß, welche Bauteilvariante in welcher Box liegt, lassen sich weitere Schritte automatisieren.
Beispielsweise kann die Zielstation abhängig vom Auftrag oder vom Fertigungsfortschritt automatisch gewählt werden. Auch eine Priorisierung von Eilaufträgen ist möglich, sofern die entsprechenden Daten vorliegen.
Für eine solche Integration sind klare Schnittstellen erforderlich. Stammdaten, Auftragsnummern, Behälterkennzeichnungen und Stellplatzdefinitionen müssen konsistent gepflegt werden. Nur dann entsteht ein durchgängiger Informationsfluss vom Pressenhub bis zur nachgelagerten Bearbeitung.
Technische und organisatorische Voraussetzungen
Die Einführung eines Fahrerlosen Transportsystems ist kein isoliertes Technikprojekt. Es betrifft Layout, IT Infrastruktur und Arbeitsorganisation.
Zunächst muss das Hallenlayout analysiert werden. Fahrwege müssen ausreichend dimensioniert sein. Kreuzungen mit manuellem Verkehr sind zu bewerten. Übergabestationen müssen so gestaltet sein, dass das System Boxen sicher aufnehmen und absetzen kann.
Ebenso wichtig ist die Definition klarer Prozessregeln. Wer meldet eine volle Box. Welche Signale lösen einen Abholauftrag aus. Was geschieht bei Störungen. Diese Fragen sind vor dem Start zu klären.
Auch die Schulung der Mitarbeitenden ist entscheidend. Ein FTS ersetzt nicht die Verantwortung für den Materialfluss. Es verändert die Rollen. Mitarbeitende überwachen das System, greifen bei Bedarf ein und optimieren die Abläufe kontinuierlich.
Praxisbeispiel aus dem Presswerk
Ein typisches Szenario aus der Praxis verdeutlicht den Ablauf. Im Presswerk wird ein tiefgezogenes Bauteil aus Stahl in Serie gefertigt. Die Teile werden direkt an der Presse in Gitterboxen abgelegt. Pro Box werden eine bestimmte Anzahl an Teilen gesammelt. Die Taktzeit der Presse liegt im definierten Bereich, sodass eine Box innerhalb einer bestimmten Zeit gefüllt ist.
Sobald die Sollmenge erreicht ist, wird ein Transportauftrag erzeugt. Das Fahrerlose Transportsystem fährt zur Abholstation, positioniert sich passend und übernimmt die Box. Die Übergabeposition ist so ausgelegt, dass Maßabweichungen der Box keine Rolle spielen und ein sicherer Transport gewährleistet ist.
Das FTS bringt die gefüllte Box zu einer ausgewählten Station für die Weiterverarbeitung und entlastet dadurch die Mitarbeitenden.
Der Materialfluss läuft ohne Unterbrechung weiter. Kommt es zu einer Störung an der Station, kann das System die Box alternativ in einen definierten Pufferbereich transportieren. Diese Flexibilität ist Teil der vorab definierten Prozesslogik.
Fazit
Ein effizienter Materialfluss im Presswerk entsteht nicht zufällig. Er ist das Ergebnis klar definierter Prozesse, eindeutiger Verantwortlichkeiten und einer strukturierten Digitalisierung. Das Fahrerlose Transportsystem bei FIUKA zeigt, wie standardisierte Transporte automatisiert und Mitarbeitende spürbar entlastet werden können. In Kombination mit einer perspektivischen Anbindung an das GiBo System entsteht eine durchgängige Prozesskette vom Pressen bis zur Weiterverarbeitung.
Was ist ein Fahrerloses Transportsystem im industriellen Umfeld?
Ein Fahrerloses Transportsystem ist ein innerbetriebliches Fördersystem, das Transportaufgaben ohne manuelle Fahrzeugführung ausführt. Es besteht in der Regel aus einem autonomen Fahrzeug, einer Steuerungssoftware und definierten Übergabe und Stellplätzen. Das System erhält Transportaufträge digital und bewegt Materialien wie Gitterboxen oder Ladungsträger zwischen festgelegten Punkten. In einem Presswerk verbindet ein Fahrerloses Transportsystem beispielsweise Presse, Pufferzone und Weiterverarbeitung. Ziel ist ein reproduzierbarer, dokumentierter und sicherer Materialfluss innerhalb der Fertigung.
Wie verbessert ein Fahrerloses Transportsystem den Materialfluss?
Ein Fahrerloses Transportsystem standardisiert wiederkehrende Transporte zwischen klar definierten Stationen. Transportaufträge werden automatisch ausgelöst, sobald eine Gitterbox gefüllt oder ein Arbeitsschritt abgeschlossen ist. Dadurch entfallen manuelle Abstimmungen und Wartezeiten auf verfügbare Flurförderzeuge. Die Transporte erfolgen nach festgelegten Routen und Parametern, was die Planbarkeit erhöht. Gleichzeitig entsteht Transparenz, da jeder Transport digital erfasst wird und zeitlich nachvollziehbar bleibt.
Warum ist ein stabiler Materialfluss in der Kaltumformung entscheidend?
In der Kaltumformung, etwa beim Stanzen oder Tiefziehen, sind Taktzeiten präzise definiert. Wird fertiges Material nicht rechtzeitig abgeführt oder Rohmaterial nicht bereitgestellt, kommt es zu Stillständen. Diese Unterbrechungen beeinflussen Ausbringung, Qualitätssicherung und Terminplanung. Ein strukturierter Materialfluss stellt sicher, dass Bauteile ohne Verzögerung zur nächsten Prozessstufe gelangen. Damit wird die Fertigung als zusammenhängende Prozesskette betrachtet und nicht als isolierte Einzelschritte.
Wie werden Transportaufträge in einem Fahrerlosen Transportsystem ausgelöst?
Transportaufträge werden üblicherweise durch definierte Prozesssignale generiert. Dies kann beispielsweise erfolgen, wenn eine bestimmte Stückzahl in einer Gitterbox erreicht ist oder ein Fertigungsauftrag abgeschlossen wurde. Das Signal wird an die Leitsteuerung übergeben, die das Fahrerlose Transportsystem disponiert. Das Fahrzeug fährt selbstständig zur Quelle, übernimmt den Ladungsträger und transportiert ihn zum Ziel. Voraussetzung ist eine eindeutige Definition von Stellplätzen, Behältern und Auftragszuordnungen.
Welche organisatorischen Voraussetzungen sind für den Einsatz eines Fahrerlosen Transportsystems erforderlich?
Vor der Einführung müssen klare Prozessregeln festgelegt werden. Dazu gehören eindeutig definierte Start und Zielpunkte, standardisierte Behälter sowie eine strukturierte Auftragslogik. Auch Zuständigkeiten für Überwachung und Störungsmanagement sind festzulegen. Das Hallenlayout muss geeignete Fahrwege und sichere Übergabestationen ermöglichen. Ohne diese organisatorischen Grundlagen kann ein Fahrerloses Transportsystem seine Funktion im Materialfluss nicht zuverlässig erfüllen.
Welche technischen Rahmenbedingungen sind bei der Integration zu berücksichtigen?
Technisch sind Schnittstellen zu bestehenden IT Systemen relevant, beispielsweise zur Fertigungssteuerung oder Lagerverwaltung. Stammdaten wie Auftragsnummern, Artikelbezeichnungen und Behälterkennungen müssen konsistent gepflegt werden. Zudem sind geeignete Übergabepunkte erforderlich, an denen Gitterboxen sicher aufgenommen und abgesetzt werden können. Das Fahrzeug benötigt definierte Fahrwege mit ausreichender Breite und klar geregeltem Mischverkehr. Eine stabile Energieversorgung und geeignete Ladepunkte sind ebenfalls Bestandteil der Planung.
Welche Rolle spielt das Hallenlayout für die Effizienz eines Fahrerlosen Transportsystems?
Das Hallenlayout beeinflusst Fahrwege, Kreuzungspunkte und Übergabestationen. Kurze, logisch aufgebaute Routen reduzieren Transportzeiten und Energiebedarf. Engstellen oder unklare Stellflächen können dagegen zu Verzögerungen führen. Bereits in der Planungsphase sollten Start und Zielpunkte so angeordnet werden, dass unnötige Umwege vermieden werden. Ein klar strukturiertes Layout ist eine grundlegende Voraussetzung für einen stabilen automatisierten Materialfluss.
Wie lässt sich ein Fahrerloses Transportsystem mit bestehenden digitalen Systemen verknüpfen?
Die Verknüpfung erfolgt über definierte Schnittstellen zwischen Leitsteuerung und vorhandenen IT Systemen. Transportaufträge können direkt aus einem Fertigungsauftrag generiert werden. Ebenso ist eine Rückmeldung über abgeschlossene Transporte an übergeordnete Systeme möglich. Entscheidend ist eine konsistente Datenstruktur, damit Aufträge eindeutig zugeordnet werden können. Eine solche Integration erhöht die Transparenz und reduziert manuelle Eingriffe im Materialfluss.
Welche typischen Herausforderungen treten bei der Einführung eines Fahrerlosen Transportsystems auf?
Herausforderungen entstehen häufig durch unklare Prozesse oder uneinheitliche Behälterstrukturen. Wenn Stellplätze nicht eindeutig definiert sind, kann das System keine reproduzierbaren Abläufe gewährleisten. Auch Mischverkehr mit manuell geführten Fahrzeugen erfordert klare Sicherheitskonzepte. Zusätzlich kann es notwendig sein, bestehende Abläufe anzupassen, um die Automatisierung sinnvoll einzubinden. Eine sorgfältige Analyse der Ausgangssituation ist daher ein zentraler Bestandteil der Projektplanung.